Ästhetik des Widerstands – Widerstand der Ästhetik.

Programm 2016

Raum 3 – Crossover   |   11:30 - 12:45 Uhr

Vortrag

Ästhetik des Widerstands – Widerstand der Ästhetik.

Ich habe meinen Film >Der Schatten des Körpers des Kameramanns< mit dem Kamerafederhalter geschrieben. Unter der Überschrift Wenn die Werkzeuge des Erzählens sich verändern / dann verändert sich auch die Erzählung / dann verändert sich auch die Arbeit des Erzählers. Der Schatten des Körpers des Kameramanns hat sich abgestoßen vom Micro-Roman „Der Schatten des Körpers des Kutschers“, den Peter Weiss 1952 geschrieben hat. Ich habe den „Kutscher“ mit mehreren kleinen Immer-Dabei-Kameras gelesen. Ich kann mir vorstellen, den Groß-Roman >Die Ästhetik des Widerstands> mit dem iPhone 6s zu lesen. Es kann Zeitlupe. Ich war 24, als ich mit meinem Vater – Mitglied der Industriegewerkschaft Metall - in der Pub The Dove an der Hammersmith Bridge in London über die Labour Party und über die britischen Gewerkschaften gesprochen habe. 1968 war das. Mein Vater hatte keine Brieftauben mehr. Auch daran ist er gestorben. Wir haben darüber gesprochen, in der Kneipe Die Taube, das ihm die Tauben fehlten....und dass ihm die Arbeit fehlte, als Rentner. Wir haben auch über Miss Black gesprochen. Die Streichholzarbeiterin. Meine Mutter war Zigarettenarbeiterin. Vorgestern war ich auf dem narrativen Terrain der ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS: Lehrter Straße / Heidestraße/ Chausseestraße/ Pflugstraße/ Gartenstraße. Auf dem Ödland zwischen heutigem Nordbahnhof und Humboldthain. Auf der ehemaligen Gleislandschaft des Stettiner Bahnhofs. Hier fuhren die Züge von Berlin nach Stralsund, Rostock, Stettin und Kopenhagen. Mein Großvater war Rangiermeister auf dem Güterbahnhof Altona. Mein Gefühl sagt: Ich schulde ihm, meinem Vater, meiner Mutter, Miss Black und Peter Weiss – der am 8. November 1oo Jahre alt wird - einen Film über den Neuen Klassenkampf. Den Digitalen Klassenkampf von oben. Die Elektronische Ausbeutung. Und unseren Widerstand. Ich verdanke den ersten Implus zu diesem Text Roland Zag.