Dramaturgie der Systeme. Eine Drehbuchlehre fürs 21. Jahrhundert?

Programm 2018

Raum 1   |   16:00 - 17:15 Uhr

Vortrag

Dramaturgie der Systeme. Eine Drehbuchlehre fürs 21. Jahrhundert?

In unserer komplex vernetzten Welt verändert sich das Geschichtenerzählen. Nicht nur in der Serie, sondern auch in den erfolgreichen und maßstabsetzenden Kinofilmen de 21. Jahrhunderts nimmt der Einfluss eines kollektiven, vernetzten Erzählens zu. Die ‚Reise des Helden’ mit ihrer Fokussierung auf die einzelne Hauptperson hingegen verschwindet mehr und mehr. Seit geraumer Zeit folgen daher Filme, die im Kino weltweit Maßstäbe setzen, kaum noch den dramaturgischen Regeln der Vergangenheit. Oscar-Gewinner wie „Spotlight“, „Dunkirk“ oder „La Grande Bellezza“, Publikumsmagneten wie „Alles steht Kopf“ oder der Europäische Filmpreisgewinner von 2017 „The Square“ liefern unter vielen anderen Beispiele für ein neues Erzählen im Kino in Zeiten der Digitalisierung. Auch in der gegenwärtig gehypten Serienlandschaft spielen überkommene Erzählformen eine immer geringere Rolle. Immer wichtiger hingegen wird die „Dramaturgie der Systeme“. Sie beschreibt die unmittelbare Auseinandersetzung mit der Digitalisierung und ihren Folgen. Im Mittelpunkt steht hier die Auseinandersetzung mit unpersönlichen, neutralen und anonymen Antagonismen, die für die handelnden Figuren kaum noch zu überschauen, aber handlungsmächtig und emotional bestimmend sind. Darin spiegelt sich ein neues Grundgefühl der digitalisierten Welt. Die „Dramaturgie der Systeme“ wird so zur spezifischen Erzählform des 21. Jahrhunderts, welche insbesondere auch Serien wie „House of Cards“, „Game of Thrones“ oder „The Walking Dead“ zu ihrer Wirkung verhilft. Sie löst die alten Erzählformen nicht ab, erweitert aber das Spektrum möglicher Spielformen. Dieses wird gegenwärtige vor allem in Deutschland noch wenig genutzt. Wie also funktionieren Systeme? Wie erzählt man Kollektive? Wie spiegeln sich die Veränderungen der Wahrnehmung in der digitalisierten Welt in der Erzählstruktur? Der Vortrag versucht, anhand von Beispielen aus Film und Serie dabei zu helfen, mutigere und innovativere Erzählformen, die oft gefordert und selten realisiert werden, durchzusetzen.

Moderation: