Alle Veranstaltungen im Überblick

Stand: 03.10.2021 - Programmänderungen möglich.
Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und Gästen werden laufend aktualisiert.

 

09:40 Uhr

Begrüßung: Dr. Eva-Maria Fahmüller, VeDRA
Moderation: Dr. Enrico Wolf, VeDRA
 

10:00 – 10:45 Uhr

Präsentation

Character World statt starre Matrix. Tools und Templates für die Entwicklung von High-End-Serien

High-End-Serien zeichnen sich in der Regel durch eine komplexe Struktur und eine Erzählweise aus, die zumeist character driven ist. Diese spezifische Dramaturgie stellt die Macher*innen vor große Herausforderungen. Als Werkzeuge für eine erfolgreiche kreative Zusammenarbeit präsentieren wir Templates und Darstellungsformen für die folgenübergreifende Entwicklung von Figuren und Storylines sowie spezifische Beatsheets und -boards.

Seitdem Streaming-Plattformen wie Netflix, Amazon und Sky auch originär deutsche Formate produzieren, erlebt hierzulande die Serien-Produktion einen neuen Boom. Auch die linear ausgestrahlten TV-Sender stellen zunehmend sogenannte High-End-Serien wie BABYLON BERLIN oder BAD BANKS her, nicht zuletzt um wieder mehr jüngere Zuschauer*innen zu erreichen und langfristig ihre Mediatheken bestücken zu können. Aufgrund der spezifischen Rezeptionsweise „on demand“ (Stichwort Binge Watching) hat dieser Boom erhebliche Auswirkungen auf die Dramaturgie. Epische, romanhafte Formen, oft auf verschiedenen Zeitebenen und mit durchweg horizontaler Struktur, markieren moderne serielle Erzählweisen. Autorinnen und Autoren müssen sich dieser Herausforderung stellen, zunehmend auch kollektiv in sogenannten Writers Rooms. Im Rahmen unserer Präsentation wollen wir Hilfsmittel für Autor*innen, Dramaturg*innen und Produzent*innen vorstellen, die die komplexere Struktur derartiger High-End-Serien anschaulich machen und bei der kreativen Zusammenarbeit helfen. Templates für dramaturgische Analysen, Darstellungsformen für die folgenübergreifende Entwicklung von Figuren und Storylines sowie spezifische Beatsheets und -boards stehen im Fokus unseres ca. 35-minütigen Vortrags. Danach sind Fragen, Anmerkungen und Anregungen aus dem Plenum willkommen.

Moderation:
Gunther Eschke, VeDRA, Dramaturg, Script Consultant, Autor
Evi Goldbrunner, VeDRA, Dramaturgin
 

10:00 – 10:45 Uhr

Podiumsdiskussion

Gleichstellung und Diversität in der Stoffentwicklung. Von der Selbstverpflichtung in die Praxis

Wir werfen gemeinsam mit unseren Gästen von Sendern und Produktionsfirmen einen Einblick in die Praxis: Was gelingt bei der Umsetzung von Gleichstellung und Diversität? Gibt es Richtlinien? Wie werden sie umgesetzt? Was sind die häufigsten Probleme?

Es tut sich was. Endlich auch in Deutschland. Im Oktober 2020 gab das internationale US-Unternehmen Viacom bekannt, dass es weltweit Diversity-Richtlinien für ihre neuen Produktionen aufstellt. Die UFA zog als erstes deutsches Unterhaltungsunternehmen nach und verpflichtet sich, bis 2024 im Gesamtportfolio die Diversität der Gesellschaft nach dem Zensus der Bundesregierung abzubilden. Im Bereich Filmförderung hat die Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein bereits im Sommer 2020 eine Diversity Checklist eingeführt. Es geht um Vielfalt vor und hinter der Kamera, aber auch, ob inhaltlich mehr geboten wird als nur Stereotype von unterrepräsentierten und marginalisierten Gruppen. Alle Sender, privat und öffentlich-rechtlich, beschäftigen sich mit dem Thema. Es gibt teilweise Genderquoten – hauptsächlich bei der Regie –, Diversitätslektorate, Sensitivity Readings. Manche Filmemacher*innen übernehmen die Idee eines „inclusion rider“ in ihre Verträge.
Wie funktioniert das eigentlich in der Praxis der Stoffentwicklung? Was hat sich verändert? Welche Erfahrungen werden gesammelt, wie funktioniert der Workflow, wo stößt man auf Widerstände und Grenzen? Was können wir aus den ersten Ergebnissen lernen?

Moderation:
Sandra Ehlermann, VeDRA, Dramaturgin, Development Producerin, Agentin
Letícia Milano, Autorin, Trainerin für diverses Erzählen (Büro für vielfältiges Erzählen)

Gäste:
Juliana Maug, Assistant Manager Digital und Diversity Ambassador bei der UFA
Petra Tilger, Redakteurin ZDF
Monika Strommayer, VeDRA, Lektorin ARD DEGETO
 

11:00 – 11:45 Uhr

Podiumsdiskussion

German Rooms. Integration des US-Modells Writers Room in die deutsche Serienentwicklung

Nicht nur für Autor*innen, auch für Produktion, Regie und Redaktion stellt die Arbeitsweise mit dem Modell Writers Room eine enorme Herausforderung dar – was ist zu beachten, wenn man mit diesem System arbeiten möchte, und wie genau könnte ein German Room aussehen?

Das US-Modell Writers Room steht in vielen seiner Funktionsweisen der tradierten deutschen Serienentwicklung diametral gegenüber: Hier die absolut hierarchische Fokussierung auf eine Vision und einen/eine Entscheider*in, gepaart mit einem klar umrissenen Ablauf, dort das Redakteur*innenfernsehen nach öffentlich-rechtlichem Vorbild, ein zwar auch hierarchischer, von seinem Grundverständnis aber gruppendynamisch organisierter und extrem individualisierter Prozess ohne verbindliche Regeln. Immer selbstbewusstere Kreative und die zunehmende Beauftragung durch internationale Auftraggeber*innen haben dem Modell Writers Room Tür und Tor geöffnet, ohne dass jedoch ein einheitliches Verständnis der Arbeitsweise besteht. Wie können wir das ändern, welche Maßnahmen sind unabdingbar, welche möglicherweise verhandelbar? Dies wollen wir gemeinsam mit Branchenvertreter*innen diskutieren.

Moderation:
Katrin Merkel, VeDRA
Timo Gößler, VeDRA

Gäste:
Randa Chahoud, Regisseurin
Carsten Schulte, Redakteur KiKa
Dennis Schanz, Showrunner

11:00 – 11:45 Uhr

Präsentation und Diskussion

better script – bigger success. Drehbuch und internationale Filmfinanzierung

Mit Drehbuchanalysen von Spezialist*innen Fehlinvestitionen in Kinofilmprojekte verhindern – bei internationalen Lizenz-Vorverkäufen ebenso wie in der heimischen Filmindustrie

Unsere Erfahrung zeigt: Europäische Drehbuchautor*innen nutzen das Potential ihrer Geschichten nur zur Hälfte. Das ist Verschwendung und muss nicht sein! Seit 1988 evaluieren wir auf Englisch, Französisch und Deutsch jährlich 180 auf dem Markt kursierende Drehbücher. Diese Filmprojekte haben bereits etliche Hürden genommen, werden von einem Weltvertrieb vertreten und suchen international Verleiher*innen oder Investor*innen für die Restfinanzierung jenseits von Förderungen. Dennoch: 80% dieser Scripts haben entweder keine vollständig erzählte Geschichte oder diese ist unzureichend für das Medium Film adaptiert – oft auch beides. In unserem Vortrag mit anschließender Diskussion beleuchten wir:

  • die Unterschiede deutschsprachiger Projekte – im Vergleich zu französischen, amerikanischen, englischen und skandinavischen,
  • die Relevanz von vollständig entwickelten Geschichten in ausreichend dramatisierten Drehbüchern für den Erfolg im Kino und auf Plattformen,
  • Erfolgskriterien und das Publikum – unterschätzt, aber entscheidend – beim Schreiben und Evaluieren von Drehbüchern,
  • sowie die Optimierung von Geschichten und Kinofilm-Drehbüchern mit Blick auf internationale Auswertung.

Moderation:
Gabriele C. Sindler, VeDRA, Drehbuchanalystin, Autorin, Beraterin für dfk*script*service
Donat F. Keusch, CEO DFK FILMS GmbH, tätig in Produktion, Verleih, Weltvertrieb, Story- und Drehbuchentwicklung, Lehre
 

12:00 – 12:45 Uhr

Demo Workshop

Lego Serious Play in der Stoffentwicklung. Eine Einführung in die agile Methode und ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in der Stoffentwicklung.

In diesem Workshop führe ich euch in die Methode Lego Serious Play ein und zeige euch, wie ihr sie konkret für die Stoffentwicklung einsetzen könnt. Lego Serious Play, kurz LSP, ist eine Art einfache Universalsprache mit einem ebenso einfachen und klaren Prozessframework. Ihr könnt damit sehr schnell neue Ideen bis zur Umsetzung kokreativ entwickeln. Gleichzeitig ist die Methode ein hervorragendes Teambuilding-Tool, um kleine Kreativteams fokussiert und konzentriert an einem Strang ziehen zu lassen.

Ob bei der Entwicklung neuer Formate, neuer Stoffe oder in der Kommunikation im Writers Room oder in Produktionsteams: Die Methode hilft unmittelbar, out of the box neue Strategien und Lösungen zu entdecken. Die Erfinder dieser Methode sprechen auch gerne von strategischem Imaginieren. LSP nutzt die besondere neuronale Verbindung von Hand und Hirn, indem wir mit den Händen gestalterisch denken. Unsere Hände sind mit 70 – 80 % unserer Hirnzellen verbunden. Durch die gleichzeitige Aktivierung von Hirn und Hand werden Denkprozesse laut Neurowissenschaftler*innen qualitativ deutlich verbessert. Die Erfolgsgeschichte von LSP begann 1996 durch LEGO selbst. Das Unternehmen eroberte sich mit dieser hauseigenen Methode den fast verlorenen Spielzeugmarkt in einem rasanten Tempo mit immer neuen Produkten und Produktlinien zurück und ist bis zum heutigen Datum unangefochtener Marktführer. Anfang 2002 wurde die Methode dann der Öffentlichkeit vorgestellt und wird heute in vielen Geschäftsbereichen, in Coaching und Beratung erfolgreich eingesetzt. Ich wende die Methode seit der Pandemie als Ersatztool für Drehbuchaufstellungen in meinen Beratungsprozessen mit nachhaltigem Erfolg ein.

In diesem Workshop werde ich euch die Methode mit einer kleinen Proband*innen-Gruppe vorstellen und euch zeigen, welche Einsatzmöglichkeiten LSP für euch bieten kann. Für Interessierte wird es die Möglichkeit geben, in einer kleinen virtuellen follow-up-Session die Methode einmal selbst auszuprobieren.

Moderation:
Verena Michl, VeDRA, Dramaturgin, Systemische Organisationsberaterin und Businesscoach, Gründerin transformstory (ehemals StoryDocs)

Gäste:
Katrin Merkel, VeDRA, Dramaturgin
Sandra Ehlermann, VeDRA, Dramaturgin
David Aufdembrinke, Autor und Regisseur
 

12:00 – 12:45 Uhr

Präsentation

Digital Storytelling. Wie erzählt man Geschichten online?

Neue Plattformen eröffnen neue Zielgruppen, aber sie erfordern auch neue Erzählweisen. Die jeweiligen Sehgewohnheiten und Erzählkonventionen werden durch die Funktionen der Plattformen bedingt. Anhand von konkreten Beispielen zeigen wir wie gelungenes Storytelling auf YouTube, Instagram, TikTok und für die Mediatheken funktioniert.

Auf den Social-Media-Plattformen wie YouTube, Instagram, TikTok, Snapchat und Co. wird viel professioneller Content produziert und konsumiert. Um die Gunst der Zuschauer*innen zu gewinnen, kommen neben klassischen Erzählstrukturen auch neue Strategien zum Einsatz. Im ersten Teil geben wir anhand von non-fiktionalen Formaten wie TRUDOKU (funk, auf YouTube) oder ON MAI WAY (SWR, auf YouTube) einen Einblick, wie wir Geschichten erzählen und unterhalten. Wir zeigen außerdem wie man den Algorithmus für sich nutzen kann und anhand der Analytics-Formate auf die Sekunde genau fine tuned. Im zweiten Teil widmen wir uns den Hochkant-Plattformen, also Instagram, TikTok und Snapchat, auf denen der Content überwiegend in 9:16 ausgespielt wird. Die Funktionsweisen der Plattform bestimmen maßgeblich, wie man sie bespielt, daher geben wir eine kurze Einführung dazu und erklären, welche gängigen Formate es hier gibt. Unser Schwerpunkt liegt hierbei auf TikTok, der Plattform, die gerade in aller Munde ist und besonders bei der ganz jungen Zielgruppe ab 13 Jahren besonders beliebt ist. Wenn man versteht was die Zuschauer*innen von morgen mögen und welche Sehgewohnheiten sie haben, kann man sie in Zukunft einfacher mit Formaten, Filmen und Serien erreichen.

Moderation:
Linda Friese, VeDRA, Redakteurin bei DRIVE beta GmbH

Gast:
Sandra Delasauce, Redaktionsleiterin bei DRIVE beta GmbH
 

14:00 – 14.45 Uhr

Podiumsdiskussion

Kommt jetzt der Doku-Serien-Hype? Neue Perspektiven und Chancen für dokumentarische Formate

Die Nachfrage nach non-fiktionalen Formaten, vor allem nach Serien, steigt – nicht zuletzt bei den Streaminganbietern. Rosige Zeiten für den Dokumentarfilm? Oder neuer Druck durch enge Formatvorgaben und industrielles Arbeiten?

Es gibt ihn, den Boom: Immer mehr Streamingdienste suchen nach dokumentarischen Stoffen, die sich auch seriell aufbereiten lassen – wahre Verbrechen, Tier- und Naturfilme, Reality, History und alles, was mit Essen und Kochen zu tun hat. Netflix tut, als hätte es den Dokumentarfilm neu erfunden und bindet damit ein Publikum, dessen Appetit auf Faktisches immer größer wird. Andere Streamingdienste ziehen nach. Rosige Zeiten für den Dokumentarfilm, könnte man denken. Andererseits gibt es nach wie vor die Mühsal, ein Projekt über Förderung zu finanzieren, die Anforderungen der Sender und die Langsamkeit von Gremien. Gerade bei investigativen oder historischen Stoffen ist die Recherche und Vorbereitung riskant und teuer oder der Zeitdruck groß, weil Situationen sich schnell verändern. Wo steht der Dokumentarfilm also gerade? Ist die größere Nachfrage eine Chance oder vergrößert sie den Druck durch eng definierte Formatvorgaben? Welche neuen Erzählformen gibt es und was bedeutet es, wenn immer öfter Spielfilme – Beispiel NOMADLAND – zu dokumentarischen Mitteln greifen? Und nicht zuletzt: Wo haben wir Dramaturginnen und Dramaturgen in diesem Gefüge unseren Platz? Antworten auf diese Fragen suchen wir im Gespräch mit David Bernet, dem geschäftsführenden Vorsitzenden der AG DOK.

Moderation:
Angela Heuser, VeDRA, Dramaturgin

Gast:
David Bernet, Dokumentarfilmer, geschäftsführender Vorstand AG DOK
 

14:00 – 14:45 Uhr

Case Study

Ich bin dein Mensch. Zwischen Literatur, Genre und Arthouse

Mit ICH BIN DEIN MENSCH präsentierte Maria Schrader bei der Berlinale 2021 einen aufsehenerregenden Spielfilm über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Beziehungen zwischen Mensch und Maschine, der Maren Eggert den Preis für die beste Hauptrolle einbrachte, nun für den Oscar als bester internationaler Film vorgeschlagen wurde und kürzlich vier deutsche Filmpreise erhielt, unter anderem für den besten Spielfilm und das beste Drehbuch. Gemeinsam mit Maria Schraders Co-Autor Jan Schomburg und einem der verantwortlichen Redakteure des SWR, Jan Berning, wollen wir den Weg erkunden, von der gleichnamigen Kurzgeschichte von Emma Braslavsky hin zum fertigen Drehbuch dieses Ausnahmefilms. Wie gelang der Balanceakt zwischen Literaturverfilmung, Genre, Science-Fiction, Beziehungs- und Sozialdrama, Komödie, Arthouse-Kino und Fernsehen?

Moderation:
Marco Kreuzer, VeDRA, Dramaturg

Gäste:
Jan Schomburg, Co-Autor 
Jan Berning, Redakteur des SWR
 

15:00 – 15:45 Uhr

Werkstattgespräch

How to write SOKO WISMAR? Dramaturgie im Vorabendkrimi – der verlässliche Tod in 42 Bildern.

ZDF/Mittwochabend 18 Uhr, die Ostsee, das Team um Revierchef Reuter, drei Fehlspuren und schon wieder eine Leiche. Herzlich Willkommen in der vertrauten Sehgewohnheit: Vorabendkrimi. Das Formatfernsehen mitsamt seiner erzählerischen Besonderheiten. Wie viele Fehlspuren gibt es bei der SOKO WISMAR? Was ist überhaupt eine Fehlspur? Lernt uns kennen und stellt Fragen: Redakteurin, Drehbuchautor und Dramaturgin antworten.

Irgendwo zwischen klassischem Who-Done-It und der getrosten Zuversicht auf ein gutes Ende erzählen wir jede Woche aufs Neue einen Krimifall in ca. 45 Minuten, 42 Bildern, 5 bis 7 Motiven, mit 5 bis 8 Episodenfiguren. Auf Grundlage dieser Formatbedingungen wird sicherlich die eine oder andere Drehbuchentscheidung getroffen. Mit How to write SOKO WISMAR wollen wir einen Einblick in den Stoffentwicklungsprozess einer Krimi-Vorabendserie ermöglichen. Wie ist das Zusammenspiel von Dramaturgie, Drehbuch und Redaktion? WER oder WAS beeinflusst WIE den Stoffentwicklungsprozess – fordert das TV-Format heraus oder spannt es gar wieder in seinen erzählerischen Rahmen? Zur Vorbereitung empfehlen wir: Mittwochabend, 18 Uhr, ZDF, SOKO WISMAR. Fragen sind willkommen!

Moderation:
Lena M. Filthuth, VeDRA, Dramaturgin

Gast:
Michelle Rohmann, Redakteurin ZDF
Marek Helsner, Drehbuchautor
 

15:00 – 15:45 Uhr

Podiumsdiskussion

Audiowelten – Akustisches Erzählen im Umbruch

Podcast als Geschäftsmodell? Kassette oder CD? Audible-Abo zum Binge-Hören? Oder doch lieber öffentlich-rechtlich, weil Kulturauftrag und so? Die Märkte für akustisches Erzählen sind im Umbruch – welche Herausforderungen bieten Gegenwart und Zukunft des Hörspiels für Autor*innen und Dramaturgie?

Podcasts boomen – prominente Stimmen, mit der redaktionellen Expertise der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten oder großer Medienhäuser, aber auch einsame Erzählungen aus dunklen Kellern: Die Anzahl der deutschsprachigen Podcasts, die in den letzten Monaten mindestens eine Folge veröffentlicht haben, geht in die Tausende. Nebenbeihören, benutzer*innenfreundlich, spezielle Blick- und Erzählwinkel, spitze Zielgruppe per Download oder Stream. Die Zahlen des klassischen kommerziellen Hörspielmarkts in Form von Kassetten und CDs für Erwachsene hingegen sind seit Jahren rückläufig – dieser trumpft aber immer noch mit langlaufenden Bestseller-Marken und großen Franchises auf. Daneben sind Streaming-Anbieter wie Audible, FYEO oder Storytel auf dem Vormarsch, mit Literaturadaptionen und Originalstoffen, die die ganze Bandbreite möglicher Genres und Formate abdecken. Die Etats für Hörspiele, Audio Art und Features im öffentlich-rechtlichen Rundfunk schrumpfen. Sendeplätze werden gestrichen, und das frühere Finanzierungsmodell der Beteiligten über Erstausstrahlungs- und Wiederholungshonorare geht durch die Auswertung über Mediatheken nicht mehr auf. Der Offene Brief der Hans-Flesch-Gesellschaft und des Verbandes der Theaterautor:innen hat im Sommer dieses Jahres Wellen geschlagen, um auf diese Missstände hinzuweisen. Was sind die Herausforderungen des akustischen Erzählens, in der Gegenwart und für die Zukunft? Welche Wege stehen Autor*innen offen? Und welche Rolle kann die Dramaturgie in diesem Kontext spielen?

Moderation:
Heiko Martens, VeDRA, Autor und Dramaturg

Gäste:
Dr. Barbara Landsteiner, Executive Producer, Publishing Manager, Dramaturgin (Storytel)
Dr. Gerd Naumann, Autor, Regisseur
Naema Gabriel, Künstlerin, Autorin
 

16:00 – 16:45 Uhr

Werkstattgespräch

Langeweile in Bestform – Die Comedy-Serie KBV – Keine besonderen Vorkommnisse

Improvisation, Drehbuch oder Vorlage? Wer ist der Schöpfer der absurd-komischen Dialoge, mit denen sich die Akteure der TV-NOW Serie KEINE BESONDEREN VORKOMMNISSE die Zeit vertreiben? Und wer ist hier eigentlich für die Dramaturgie verantwortlich? Der Cutter, der Regisseur, die Redakteurin oder die Drehbuchautoren? Ein Werkstattgespräch über Humor, Langeweile, Witze unter der Gürtellinie und die Frage, wieviel Blech man im Auto reden darf!

Zwei Polizisten (Jürgen Vogel und Serkan Kaya) observieren Nacht für Nacht in ihrem Auto eine Lagerhalle im Hamburger Hafen, in der zwei Gangster (Denis Moschitto und Rocko Schamoni) hocken und auf Anweisungen von ihrem Boss warten. Per Funk übermitteln die zwei Polizisten den Kolleginnen in der Zentrale (Annette Frier und Maike Jüttendonk) regelmäßig: Keine besonderen Vorkommnisse. Es geht um eine Drogenlieferung, die ebenfalls auf sich warten lässt. In der Comedy-Serie KBV wird die Zeit mit Quatschen totgeschlagen, ansonsten passiert buchstäblich nichts: kaum Handlung, keine Action, drei Schauplätze. Ein neuer Trend im deutschen Fernsehen? Erfolgreiche Serien wie JERKS oder auch WARTEN AUF’N BUS zelebrieren ebenfalls genussvoll und ohne großen Produktionsaufwand tiefschürfendes Fachsimpeln über Nichtigkeiten! In einem Werkstattgespräch wollen wir der Frage nach dem Pro und Contra einer Adaption nachgehen – KBV basiert auf der australischen Serie NO ACTIVITY von 2015/16. Wie viele der Dialoge und absurden Anekdoten standen schon im Drehbuch, was wurde improvisiert? Wann, wie und wo wurden dramaturgische Entscheidungen gefällt? Sind sexistische Witze und Anekdoten, die unter die Gürtellinie gehen und für ausführliches Fremdschämen sorgen in Zeiten von #MeToo überhaupt noch zulässig oder vielleicht gerade deshalb komisch? Was erwartet uns in der zweiten Staffel?

Moderation:
Marion Klann, VeDRA, Dramaturgin und Stoffentwicklerin

Gäste:
Nadja Malkewitz, Redakteurin, RTL, TV-NOW
Lutz Heineking, Regisseur, Autor, Produzent Eitelsonnenschein
Ole Heller, Filmeditor
Maike Jüttendonk, Schauspielerin
 

16:00 – 16:45 Uhr

Gespräch

Neue Dramaturgien VIII: Empathie – das Mitfühlen der Zuschauer*in

In der achten Ausgabe ihrer Reihe „Neue Dramaturgien“ spricht Eva-Maria Fahmüller mit dem Kognitionswissenschaftler und Publizisten Fritz Breithaupt über Empathie. Denn jedes narrative und filmische Erzählen regt das Publikum zu empathischem Mitfühlen an – im besten Fall im Sinne der Intention der Geschichte. Doch warum empfinden wir für bestimmte Figuren leichter Empathie als für andere? Inwiefern kann das Empfinden, auch von sadistischer Empathie ein Genuss sein? Ist Empathie der Grund dafür, dass wir uns Geschichten erzählen? Und wie lassen sich diese Erkenntnisse in die dramaturgische Praxis übertragen, z.B. auf die Entwicklung von multiperspektivisch erzählten Serien?

Moderation:
Dr. Eva-Maria Fahmüller (VeDRA) – Dramaturgin, Dozentin, Inhaberin Master School Drehbuch, Vorstandsvorsitzende VeDRA

Gast:
Prof. Fritz Breithaupt – Provost Professor an der Indiana University Bloomington, USA. Literatur-, Kultur- und Kognitionswissenschaftler. U.a. Kolumnist für DIE ZEIT und Buchautor von Kulturen der Empathie und Die dunklen Seiten der Empathie, sowie Das narrative Gehirn (erscheint im Frühjahr 2022).

17:00 – 17:45 Uhr

Werkstattgespräch

Klassiker-Bashing oder konstruktive Fortentwicklung? Die Neuverfilmung von Kästners FABIAN durch Constantin Lieb und Dominik Graf

FABIAN ist der meistdiskutierte und meistgesehene deutsche Arthouse-Film des Jahres 2021. Das Panelgespräch verschafft Einblicke in den Schaffensprozess und den Stand des Arthouse-Kinos heute.

Das Drehbuch zu FABIAN – dem meistgesehenen deutschen Arthouse-Film dieses Sommers – geht mit Erich Kästners Vorlage respektvoll, aber auch ungewöhnlich kreativ um. Immer wieder werden Beziehungen zu historischen Entwicklungen bis hin zu unserer Gegenwart eingestreut, und am Ende zeigt sich die Storyline ganz erheblich verändert. Welchen Überlegungen entsprang dieser Ansatz? Und wie sehr reflektiert das Ergebnis unsere Zeit? Ein Gespräch über den Umgang mit der in Deutschland so schwer zu durchbrechenden Mauer zwischen Hochkultur und Filmischem Erzählen.

Moderation:
Roland Zag, VeDRA, Dramaturg

Gäste:
Dominik Graf, Regisseur, Co-Autor
Constantin Lieb, Autor